Von Harvard und Yale lernen: So investieren die Großen

So investieren die Großen

Die weltweite Finanzkrise von 2008/09 traf nicht zuletzt die großen, schwerreichen US-amerikanischen Eliteunis hart: Im Schnitt verloren sie binnen weniger Monate ein Viertel ihres Stiftungsvermögens. Bei Harvard betrug der Verlust sogar fast die Hälfte des Kapitals. Damals schätzten die Finanzmanager der Universitäten, dass sie etwa 15 Jahre brauchen würden, um wieder auf den Stand vor der Krise zu kommen. Doch damit hatten sie sich deutlich unterschätzt: Tatsächlich benötigten die meisten von ihnen noch nicht einmal die Hälfte der veranschlagten Zeit, um die milliardenschweren Verluste auszugleichen.

 

 

Schneller Erfolg nach der Krise

Harvard zum Beispiel besaß 2008, also vor der Krise, rund 37 Milliarden US-Dollar. Bereits 2014 war das stark geschmälerte Vermögen wieder auf knapp 36 Milliarden angewachsen. In Yale gelang die finanzielle Erholung noch schneller: Vor der Krise waren es 22,9 Milliarden US-Dollar, bereits 2014 stand die Eliteuni mit knapp 24 Milliarden wieder bestens da. Und Stanford, 2008 mit 17,2 Milliarden US-Dollar die drittreichste Uni der USA, stellte schon 2013 mit 18,7 Milliarden einen neuen Rekord auf. Wie aber gelingt ihnen das? Wir haben uns die Asset-Allokationen drei Top-Unis Harvard, Stanford und Yale näher angeschaut.

Private Equity – direkte Beteiligung an Unternehmen

Zunächst einmal fällt auf, dass alle drei Universitäten einen hohen Anteil ihres Kapitals in Private Equity (in Yale als Venture Capital bezeichnet) investiert haben: In Harvard sind es 20, in Yale 16 und in Stanford sogar 26 Prozent. Die Stiftungen verleihen also Geld direkt an Unternehmen, ohne den Umweg über den Aktienmarkt zu gehen. Für Privatpersonen ist so ein direkter Zugang zu den Unternehmen nicht nur schwierig, sondern auch riskant: Da damit oft Neugründungen oder wesentliche Entwicklungsschritte der Firma finanziert werden, bestehen zwar gute Renditechancen, aber auch ein nicht zu vernachlässigendes Ausfallrisiko. Wer es dennoch wagen will, muss entweder sehr vermögend sein, um direkt in Private Equity zu investieren (in der Regel geht es um mindestens deutlich fünfstellige Beträge) – oder aber Anteile an entsprechenden Spezial-Fonds kaufen.

 

Absolute Return – Fonds mit eingebautem Rettungsring

Der zweite große Posten in den Portfolios der US-amerikanischen Unis sind die sogenannten Absolute-Return-Fonds. Sie streben eine marktunabhängige Rendite an und sind so gemischt, dass Verluste vermieden oder zumindest minimiert werden. Wie das im Einzelnen funktioniert, hängt von der konkreten Zusammensetzung des Fonds ab. Eine mögliche Strategie ist zum Beispiel, gleichzeitig auf steigende und fallende Kurse von Aktien aus einer bestimmten Region oder Branche zu setzen. In jedem Fall geht es bei Absolute-Return-Produkten um die aktive Steuerung von Risiken. In Harvard betrug 2016 der Anteil des Investments in Absolute Return 14, in Yale 22 und in Stanford 23 Prozent.

 

Immobilien

Die Harvard University hat 14,5 Prozent ihres Kapitals in Immobilien investiert. In Yale sind es 13, in Stanford 8 Prozent. Dabei werden direkte Investitionen mit Immobilienfonds gemischt. Vor allem in Harvard setzt man seit 2010 verstärkt auf die Direktinvestition in Immobilienprojekte: Dort machen sie inzwischen mehr als die Hälfte dieser Assetklasse aus. Und die Performance von beeindruckenden 20,2 Prozent (Immobilien insgesamt: 13,8 Prozent) in 2016 zeigt, dass die Strategie aufgeht.

 

Natürliche Rohstoffe

Nutzwald, Getreide, Öl oder Erze – die Bandbreite an natürlichen Rohstoffen ist groß. In den Portfolios der amerikanischen Eliteunis hat diese Assetklasse ihren festen Platz: In Harvard schlägt sie mit 10, in Yale mit 8 und in Stanford mit 9 Prozent zu Buche. Die Harvard University zum Beispiel hat nach der Krise intensiv in Nutzwald investiert – und zwar langfristig mit einer Spanne von 20 Jahren. Da der Rohstoffhandel für Privatanleger nur in Form von Wertpapieren realisierbar ist, die auf die Preise zu einem bestimmten Zeitpunkt spekulieren, ist diese Assetklasse eher etwas für erfahrene Anleger.

 

 

Aktien – Inland, Ausland, Schwellenland

Zwischen 20 und 30 Prozent des Investitionsvolumens der drei großen US-Universitäten fallen auf die Aktienmärkte. In den heimischen, das heißt amerikanischen Markt investierte Harvard 10, Yale 4 und Stanford 8 Prozent. In ausländischen Aktienmärkten liegen 18,5 Prozent des Kapitals aus Harvard (davon beachtliche 11,5 Prozent in den Schwellenländern). Yale hat 15 und Stanford insgesamt sogar 20 Prozent in ausländische Märkte investiert.

 

 

 

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